Studie: Ich kann nicht mehr ohne Smartphone sein

Lesezeit: 3 Minuten

Neue Forschungsergebnisse aus dem Vereinigten Königreich zeigen, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung von ihrem Smartphone abhängig sind und ein Drittel nachts aufwachen, um auf Nachrichten zu antworten.

Großbritannien wird in Europa die Nation der Smartphone-Süchtigen werden. Schon jetzt geben über 50% der Bevölkerung freiwillig an, das sie ihr Gerät zu oft verwenden und es unaufhörlich nutzen. Besonders interessant an der neu erschienenen Studie ist, dass sogar 11% davon sprechen, dass Smartphone beim Überqueren von Straßen nicht mehr aus der Hand legen zu können. Und dabei ist nicht davon auszugehen, dass sie zu diesem Zeitpunkt eine Fußgänger-Navigation im Einsatz hatten.

Was sind die Schlüsselerkenntnisse aus der Studie?

Deloitte Verbraucherstudie 2017

Mehr als ein Drittel aller Befragten greifen als Erstes auf ihr Smartphone, unmittelbar nachdem sie aufgewacht sind, zu. 55 Prozent tun dies innerhalb der ersten 15 Minuten. Und mehr als drei Viertel, nämlich 79 Prozent, prüften in der letzten Stunde vor dem Schlafen gehen, ob es noch für sie wichtige Aktivitäten gab.

Weiter fand die Studie heraus, dass die Hälfte aller britischen Mahlzeiten, die Zuhause mit der Familie oder Freunden eingenommen wurden, durch Personen mir ihrem Smartphone eine Unterbrechung fanden. 4.150 Personen wurden befragt, von denen 85% der 16- bis 75-jährigen ein Smartphone besitzen oder Zugang zu diesem Gerät haben, 4%-Punkte mehr zum Vorjahresvergleich und 33% mehr zu 2012. Und in der Altersgruppe der 18- bis 24-jährigen nennen bereits 96% ein Smartphone ihr Eigen oder haben Zugang zu ihm.

Die Briten sind sich in ihrer Haltung anscheinend bewusst, denn sie würden sich selbst als „Smartphone-Zombies“ bezeichnen und verstecken sich nicht, so der Leiter der Forschung für Technik, Medien und Telekommunikation bei Deloitte, Paul Lee.

„Das Kleben am Smartphone ist ein Kleber, der auf der anderen Seite auch die Gesellschaft zusammenhält, weil sich die Kommunikation veränderte und weiter verändern wird“, so Lee. „Bürger werden primär mit ihren Geräten den Nachrichtenaustausch durchführen und die Politik wird mit ihren Mitbürgern das Gespräch auf dieser Ebene suchen müssen“.

Obwohl die Briten ihr Handeln kennen und auch um die Gefahren wissen, gehen sie gegen diese Sucht nicht vor. Zwei Fünftel aller Befragten wüssten das sogar genau, was auf die britische Bevölkerung bezogen, 15,5 Millionen Menschen sind. Und hier ist die Wahrnehmung der Sucht unter Heranwachsenden (16-24 Jahre) mit 56% besonders ausgeprägt, hingegen die 55- bis 64-Jährigen sich nur zu 16% in Abhängigkeit sehen.
Und Eltern liegen mit ihrer Einschätzung ebenfalls nicht verkehrt, weil 60% von ihnen glauben, dass ihre Kinder zu viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen. Anderseits sagten in Beziehung stehende Befragte (41%) aus, dass es der Partner sei, der zu viel Zeit mit diesen Geräten verbringe.

Meiner Einschätzung nach, dürfte die britische Entwicklung auch in anderen europäischen Ländern bzw. sogar weltweit vorliegen. Dies zeige schon die enorme Vernetzungsdichte und der gigantische Zustrom an Mitgliedern des sozialen Netzwerks Facebook mit über 2 Milliarden. Deshalb ist es umso wichtiger, dass deutsche Bildungspolitik sich nicht weiter verschließt, sondern Lösungsangebote findet. Der Beitrag „Warum Lehrer mit BYOD in Schulen scheitern“ zeigt das ganze Desaster auf.

Ähnliche Beiträge:

Empfehlen0 EmpfehlungenVeröffentlicht in Ausland, Bildung, Tipps & Studien
Netzwerke

Thorsten Wollenhöfer

Autor & Dozent bei SOCIALMEDIALERNEN.com
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
Bau sozialer Bildungsnetzwerke nach deutschen und europäischen Datenschutzrichtlinien
Lebt seit 2015 in Rio de Janeiro
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch
Netzwerke

Letzte Artikel von Thorsten Wollenhöfer

Hinterlassen Sie einen Kommentar

3 Kommentare auf "Studie: Ich kann nicht mehr ohne Smartphone sein"

Benachrichtigen Sie mich zu:
avatar
Sortiert nach:   Neuste | Älteste | beste Bewertung
Stephanie Woessner
Gast

Das hängt ja auch von der Definition des Wortes „Sucht“ ab.

Thorsten Wollenhöfer
Gast

Wie definierst du sie, die Sucht?

Volker Fritz Martin
Gast

Ja wer Sucht der findet und wer findet hat geSucht nach der Sucht. Dann Sucht mal schön.

wpDiscuz