Ratgeber: Unterrichtsfeedback mit digitalen Werkzeugen

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Lehrkräfte stellen immer wieder fest, dass Schüler und Studenten ihren Unterrichtsinhalten nicht folgen konnten. Spätestens in einer Klassenarbeit oder Klausur wird das Dilemma deutlich. Eigentlich dann, wenn es zu spät ist. Lehrer können dieser Problematik mit einfachen Mitteln entgegenwirken und Schüler dabei so einbinden, dass die Lernschwächeren nicht bloßgestellt werden.

Überlegung

Gewöhnlich fragt ein Lehrer zum Ende seiner Unterrichtseinheit, ob es zum behandelten Unterrichtsstoff noch Fragen gibt? Meldet sich niemand, war entweder der Unterricht des Lehrers topp, die Schüler in seiner Stunde unterrichtsmüde oder unterrichtsscheu. Doch wie kann er nun erfahren, welches Feedback seinem pädagogischen Auftrag folgte?

Zielsetzung

Dem Lehrer ist es wichtig zu erfahren, ob alle Schüler seine Unterrichtseinheit verstanden haben. Die Rückmeldung an ihn soll gleichzeitig die Schüler für ihr eigenes Lernen trainieren.

Umsetzung

Nach einer Unterrichtsstunde, einer Übungseinheit oder auch nach Lesen eines Textes  werden die Schüler aufgefordert das niederzuschreiben, was sie VERSTANDEN und was sie NICHT VERSTANDEN haben. Dazu benutzen sie über ihre Geräte (es empfiehlt sich ein Smartpad mit Tastatureingabe am Bildschirm oder extern) z.B. Padlet (kostenpflichtig) oder Google Docs (kostenfrei).

Unter der Überschrift VERSTANDEN geben die Schüler an, welche Teile sie erfasst und unter NICHT VERSTANDEN, was sie nicht erfasst haben. Die Antworten werden auf das Whiteboard der Klasse projiziert. Der Lehrer wählt einige Antworten aus und bespricht sie mit seiner Klasse.


Vorteil

Durch die Einbindung aller Schüler in den Feedbackprozess werden keine Schüler einzeln stigmatisiert. Dazu trainieren sie ihre Rechtschreibung, reflektieren Stoffinhalte und nutzen Geräte als Eingabemedium. Der Lehrer erhält nicht nur eine ehrliche, sondern vor allem eine wichtige Rückmeldung, ob sein Unterrichtsziel erreicht wurde.

Vorbereitung

Padlet (auch als App im App Store/Google Play erhältlich) bietet eine digitale Arbeitsfläche auf die man Bilder, Texte und Links pinnen kann. Es ist in 29 Sprachen verfügbar und arbeitet im Einzel-/Gruppenmodus, also ideal für Schulklassen. Je nach Einstellung kann man sein „Padlet“ mit anderen Padlets teilen. Hier finden Sie alle Padlet-Funktionen in einer Gesamtübersicht zusammengestellt. Kosten (Angaben ohne Gewähr), z.B. 12 US-Dollar/Monat oder 99 US-Dollar/Jahr für einen sogenannten Teachers-Plan inkl. unbegrenzter Schülerkonten.

Google Docs (auch als App im App Store/Google Play erhältlich) ist eine kostenlose Alternative mit Einzel-/Gruppenfunktion, die sich aber auf das gemeinsame Arbeiten an einem Dokument beschränkt. Jede mitwirkende Person benötigt ein Google-Konto (setzt eine Gmail-Adresse voraus).

Alternativen

Möchte man keine der vorgestellten Ideen nutzen, so besteht auch die Möglichkeit der Umsetzung in einem sozialen Netzwerk, wie z.B. Facebook, Google+, Twitter oder Tumblr. Auch WhatsApp wäre denkbar; also alle Netzwerke, die Gruppenfunktionen beinhalten. Aus datenschutzrechtlichen Gründen verhindern gewöhnlich Sperrfilter der Schulen deren Nutzung bzw. ist erst eine Freischaltung bei der Schul-IT zu beantragen.

Idealfall

Glücklich nennen sich Schulen, die ein eigenes soziales Netzwerk führen. Ein solches Netzwerk bietet allen Beteiligten den Zugang zum Schulleben an. Individuelle Zugangsberechtigungen sichern jedem Teilnehmer sein persönliches Erfolgserlebnis. Der Lehrer plant seine Unterrichtseinheit, wo immer er sich befindet und steuert seine Gruppen selbst. Mit dem Klassen-Chat wird keine zusätzliche Software benötigt, da unmittelbar in der Klassen-Gruppe gearbeitet wird.
Zusätzlich können Schüler ihre Schulaufgaben in der Schule oder von Zuhause aus erfüllen, sich beim Recherchieren austauschen und sich mit anderen Schulklassen lokal vernetzen. Das Kollegium hingegen berät sich in ihren Gruppen und ermöglicht anderen Kollegen die Teilhabe am Geschehen, deren Mobilität eingeschränkt ist. Besonders junge Mütter profitieren von einer flexiblen Unterstützung durch die Schule.

Alles das sind nur kleine Beispiele, wie modernes Schulleben mit digitalen Werkzeugen funktionieren kann. Bei Fragen oder weiteren Ideen genügt ein Kommentar unterhalb.

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Thorsten Wollenhöfer

Autor & Dozent bei SOCIALMEDIALERNEN.com
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
Bau sozialer Bildungsnetzwerke nach deutschen und europäischen Datenschutzrichtlinien
Lebt seit 2015 in Rio de Janeiro
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch
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