Hallo Lehrer…die Welt verändert sich!

Lesezeit: 6 Minuten

Niemand kann bestreiten, dass die Welt anders ist, als das gegenwärtige Bildungssystem, das vor Jahrzehnten entwickelt wurde. Und es stellt sich die Frage, was wollen Lehrkräfte tun, um Schülern zu helfen, die in einer stark veränderten Welt zurechtkommen müssen und die sich sehr von der Umgebung eines Klassenzimmers unterscheidet?

Wir müssen die Form ändern, wie wir unterrichten.

Ist diese Antwort einfach? Natürlich!
Ist sie leicht umzusetzen? Nein.

Die Art und Weise, wie Lehrkräfte das Unterrichten gelernt haben, lässt sich nicht so leicht modifizieren. Der Staat wendet eine Ausbildungsmethode an, die sich seit Kriegsende wenig veränderte. Nach wie vor existiert der Frontalunterricht. Vorne eine Tafel, dann die Lehrkraft und danach in „Reih und Glied“ die Schulkinder. Dabei spielt es keine Rolle, wie Tische und Stühle angeordnet sind, wenn das System „Tafel — Lehrer — Schüler“ gleicht bleibt. Und auch die Schüler haben sich an dieses System gewöhnt, selbst ihre Eltern kennen es nicht anders.

Will man wirklich etwas ändern, muss zunächst akzeptiert werden, dass diese Form des Unterrichtens nicht die Beste ist. Lassen Sie uns Elemente der heutigen Erwerbsbevölkerung betrachten und wie wir sie sinnvoll in den Unterricht und die Klassenzimmer integrieren können, um das Lernen der Schüler auf eine Weise zu verbessern, was die reale Welt widerspiegelt.

Geschwindigkeit

Die Veränderungsrate in der heutigen Gesellschaft ist schneller geworden und sie nimmt weiter zu. Ob Sie dabei das Mooresche Gesetz (Rechenfähigkeit von Computerchips) oder die Häufigkeit neuer Trends (z. B. Dabbing oder Flossing) zugrunde legen, die Veränderungen passieren und sie passieren schnell.

Wenn wir also wissen, dass Geschwindigkeit ein wesentlicher Faktor ist, dann können wir darüber nachdenken, wie sie ins Klassenzimmer eingebunden werden kann. Darunter soll aber nicht die Erhöhung des unidirektionalen Unterrichts verstanden werden, sondern die Rückkopplungs- und Wiederholungsrate. Je schneller wir Informationen über die Leistung eines Schülers für eine Aufgabe bereitstellen können, desto wahrscheinlicher ist es für den Schüler, dass er seine Arbeit für die nächste Wiederholung variiert. Bitte denken Sie an dieser Stelle darüber nach, wie viel Zeit Schulen täglich verschwenden, wenn Lehrkräfte und Schüler ihre Örtlichkeiten wechseln, Materialien suchen oder Technik nicht funktioniert.

Beispiel in der Sprache von Likes (Gefällt-mir-Klicks)

Schauen Sie sich die Anzahl von Likes an, die eine Person für ein gepostetes Bild in sozialen Netzwerken erhält. Die Anzahl der Likes eines bestehenden Bildes hat Einfluss auf die Handlung des Bildes, das unmittelbar danach gepostet wird. War das eingestellte Bild gut (viele Likes), dann wird man versuchen auf diesem Erfolg weiterzufahren. Ist die Likes-Rate jedoch geringer ausgefallen, wird die Handlung danach deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, weil die Auswahl eines folgenden Fotos mehr Überlegung benötigt, um an einen ähnlichen oder besseren Erfolg anzuknüpfen.

Folglich führt eine schnellere Rückmeldung zu einer sofortigen Änderung des Handlungs- und Denkvermögens und zu einer schnelleren Neuausrichtung oder Fehlerkorrektur.

Kreativität

Lehrkräfte lieben Arbeitsblätter. Warum? Arbeitsblätter kann man schnell kopieren, sie enthalten Anweisungen und sie beschäftigen die Schüler. In der wirklichen Welt geht es jedoch weniger um „Anweisungen“, sondern viel mehr um das Lösen von kritischen Aufgaben und der Prüfung, ob eine Lösung möglich ist oder gegebenenfalls auch sinnvoll erscheint. Es ist viel Ideenreichtum und Kreativität gefragt. Ein Arbeitsblatt hilft nicht, um ein Verständnis für unbekannte Herausforderungen zu meistern, was aber letztlich Kern jeder reellen Arbeit ist.

Wie also „Kreativität“ in die Klassenzimmer einbinden?
Projektbasiertes Lernen (PBL) ist ein Unterrichtsstil, der den gesamten Design-Denkprozess unterstützt und den Schülern hilft, ein Produkt zu erlernen und zu entwickeln, was im Ergebnis zeigt, was sie durch den Prozess gelernt haben. Für Lehrkräfte mag diese Lernmethode auf den ersten Blick sehr wirtschaftlich und wenig kognitiv erscheinen, doch ist sie eine besondere Form des vernetzten Denkens, die ihnen ermöglicht, sich a) von den Vorarbeiten eines Schulbuchverlags zu lösen und b) sie die Fähigkeit erlernen, die „Anweisungen“ eines Lehrplans mit der Projekterstellung zu kombinieren. Um Kreativität auf einfache Weise in den Unterricht einfließen zu lassen, bedarf es lediglich der Zeit des Lehrenden, das Schüler ihr Wissen unterschiedlich zeigen können.
Lehrkräfte brauchen ihren Schülern nur die Frage zu stellen „schaffe etwas, das mir zeigt, was du gelernt hast“. Damit ist eine Bedingung erfüllt, so dass Schüler überlegen werden, wie sie ihr Erlerntes artikulieren können. Egal, wie diese Bedingung umgesetzt wird, für den Lehrer besteht die Möglichkeit der inhaltlichen Bewertung.

Verbundenheit

Noch immer herrscht der Denkansatz vor, man lerne für den Lehrer und nicht fürs Leben. Unattraktiver Unterricht ist mehrfach ursächlich für dieses Muster. Eine bevorzugte Aktivität der Schüler ist es dann, dass sie sich während des Unterrichts mit anderen austauschen, was die Lehrkraft gewöhnlich als störend empfindet. Natürlich gibt es schwierige Lernsituationen in Schulen und auch ist die Aufmerksamkeit der Schüler wichtig. Dennoch ist die Fähigkeit des Erlernens von gelungener Kommunikation wegbereitend und Lehrer sollten hier Vorbild sein.

Will man die Möglichkeiten von Kommunikation und Verbundenheit für Schüler erweitern und herausfordernd gestalten, dann sollten sie ihre Leistungen einem breiten Publikum vorstellen können. Ein schuleigenes soziales Netzwerk wäre eine Idealform, diese Fähigkeit in geschützter Umgebung zu erlernen. Natürlich können auch gewerbliche Netzwerke herangezogen werden, nur sollten sich Schulen dann über die datenschutzrechtlichen Bedenken zu Facebook, WhatsApp und Co im Klaren sein und welchen Eindruck sie bei Eltern und der schulaufsichtsführenden Behörde hinterlassen.

Projekte, die Schüler in einem geschützten Umfeld durchführen, erhöhen das Verantwortungsbewusstsein und die Kompetenz, wenn sie ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren. Das zu erwartende Feedback durch Kommentierung ist eine wichtige Rückmeldung über eine geleistete Arbeit. Beschränkt sich das Feedback jedoch nur auf die Lehrkraft, weil z. B. eine Publizierung ausblieb, dann kann ein einziges Meinungsbild vernichtend sein.

Besteht die technische Möglichkeit der öffentlichen Publizierung nicht, so kann die Form einer Präsentation vor der Klasse gewählt werden. Hierbei ist aber auch zu bedenken, dass die Neutralität über die erbrachte Arbeit, nicht zu 100% von der Klassengemeinschaft erwarten werden darf. Will man dagegen echte Transparenz schaffen, so wird man um öffentliche Kanäle nicht herumkommen. Die Kontrolle über eigene Portale helfen zudem, unpassende und sachfremde Feedbacks auszublenden bzw. erst gar nicht zuzulassen. Gut wären Zeilen zur Eröffnung einer Diskussion.

Fazit
Schulen werden sich der gesellschaftlichen Entwicklung anpassen müssen. Je zwangloser dies passiert, desto besser für alle Beteiligten. Träger eines Schulsystems sind stets die engagierten Lehrkräfte, die schon immer versucht haben, individuell und fördernd auf die Schüler einzugehen. Die Digitalisierung wird, wenn sie als Selbstverständnis in die Schulen Einzug gefunden hat, zu einem veränderten Lehrbewusstsein beitragen. Die Chancen wurden bisher zu wenig erkannt.
Fehlt Schulen eine gelungene technische Ausstattung, so sollten Lehrkräfte ihren Schülern möglichst häufig Rückmeldung in analoger Form geben, die ihre Kreativität anregt und die Authentizität ihrer Arbeit behält.


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Thorsten Wollenhöfer

Autor bei EDUNETZ.org
Datenschutzbeauftragter im Bildungswesen
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
Bau sozialer Bildungsnetzwerke nach Maßgabe der DSGVO (GDPR)
Lebte von 2015-2018 in Rio de Janeiro und nahm internationale Bildungsaufgaben wahr
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch
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