Facebook: Das größte Gefängnis der Welt

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Es gibt bereits viele Studien über das Nutzerverhalten, das Wohlbefinden oder auch über die Abhängigskeitsgefahren von Facebook — dem größten sozialen Netzwerk der Welt. Tatsächlich ist Facebook aber auch das größte Gefängnis der Welt. Der Unterschied zu herkömmlichen analogen Gefängnissen: Man hat dauerhaften Freigang. Davon ausgenommen sind persönliche Daten. Diese bleiben bei Facebook gut bewacht, verborgen und über mehrere Ebenen erhalten — für immer.

Nicht in den Worten suche die Wahrheit, sondern in den Daten.

Die vermeintliche Freiheit, die wir mit unseren Worten ausleben und in Facebook einstellen, erfährt, mithilfe von Algorithmen, eine Aushöhlung eingegebener Werte durch Monetisierung. Diese Monetisierung findet aber nicht an den eigentlichen Dateninhaber statt, sondern an Facebook. Streng genommen bestiehlt man uns unseres Geistes. Zudem sind alle Mühen und Zeit, die wir tagtäglich in einem virtuellen Raum verbringen, in den realen Beziehungen zu unseren Mitmenschen fehlend.

Wir verlernen Empathie zu entwickeln.
Wir verlernen Kontrolle über uns zu behalten.

Es wird uns suggeriert, dass wir alles freiwillig tun würden. Doch werden wir nicht gesteuert und mit ausgeklügelter Psychologie manipuliert, um uns dort hinzuführen, wo wir alle zu finden sind? Inzwischen sind 30% der Weltbevölkerung eingekerkert in einem Facebook-Datensumpf, an dem sich jeder bedienen kann. Man wurde zum Datenfreiwild hungriger Machtmenschen, die ihre Freude nur noch in der Kontrolle über andere zu finden scheinen. Ein „Daumen hoch“ oder runter entscheidet durchaus über Karrieren und manchmal sogar über Leben und Tod. Dieses Prinzip erinnert an die Zeit Kaiser Neros. Damals hielt man das Volk mit Brot und Spielen bei Laune. So musste es nicht nachdenken und konnte seiner Lust frönen. Immer wieder mussten die Volksspiele an die Bedürfnisse der Zuschauer angepasst werden. Schließlich wollte man schon in der Antike nicht immer Gleiches sehen.
Die Gier nach Ungewöhnlichem und noch nie Dagewesenem ist bis heute ungebrochen. Viele Abartigkeiten, die auf Facebook eingestellt werden, bekommen die meisten Nutzer nicht zu sehen. Zu sehen bekommen sie aber Menschen, die über Personalagenturen von Facebook angeheuert wurden, um Facebook „rein“ zu halten. Die psychischen Störungen, die diese Menschen erleiden sind immens. Wie krank sind wir geworden, dass unsere Schwelle des Ekel-Empfindens immer größer wurde? Wann sind wir bereit abzuschalten?

Die Zukunft ist als Raum der Möglichkeiten der Raum unserer Freiheit.

Es ist schwieriger geworden den Dingen den Rücken zu kehren. Wir sind nicht mehr alleine; im Gegenteil, wir sind eine gewachsene Gemeinschaft geworden und suchen alle unser Dasein. Leider wurden und werden wir vielfach alleine gelassen. So ist es in Deutschland nicht gelungen, dass sich die Kultusministerien den digitalen Herausforderungen stellten. Nach 12 Jahren weiblicher Kanzlerschaft gibt es nach wie vor kein sozialeres Internet. Immer dann, wenn ein Datenskandal die Politik erreichte, schreckten lokale wie Politiker im Bund auf, um ihre Entrüstung zu zeigen und zugleich ihre Handlungsfähigkeit zu beweisen. Auch jetzt wieder, als die vermeintliche Beeinflussung von Wählerschaften durch Cambridge Analytica im USA-Wahlkampf für Trump bekannt wurde. Doch wo haben unsere Politiker zu einer wirklichen Verbesserung beigetragen? Worin sind Lösungen zu finden, die uns z.B. den geachteten Umgang im Netz lehren?
Deutscher Bildungspolitik fehlen Menschen, die bereit sind aus ihrer Gradlinigkeit auszubrechen. Menschen, die bereit sind, den Pfad des Systems zu verlassen, um wieder Freiräume und Kreativität zu erfahren. Horizonte zu entdecken, die grenzenlos scheinen und den Geist beflügeln. Die Chancen, die Vernetzungen bringen, wurden in Deutschland bisher nicht gelebt. Selbst Lehrkräfte in Baden-Württemberg müssen einen Leitfaden an die Hand bekommen, um Defizite bei der Rechtschreibung ihrer Schüler ausgleichen zu können. Solche Maßnahmen zeigen die Hilflosigkeit und Fehlkenntnis des sozialen Netzwerkens auf. Bis heute hat man nicht verstanden, dass sich Rechtschreibung deutlich verbessern kann, wenn man das Internet nicht nur als passives Medium nutzt, sondern – und vor allem – als Eingabemedium. Jede Schule müsste deshalb ihr eigenes soziales Netzwerk haben, um mit Schülern u.a. das Lesen und Schreiben zu trainieren und sie auf mögliche Auswirkungen vorzubereiten, wenn sie Informationen aussenden. Weil aber weiterhin Ignoranz über den Mut zur Veränderung siegt, lässt man Eltern mit ihren Sorgen alleine. Durch Entzug von Gestaltung und Mündigkeit treibt Bildung Eltern in den Wahnsinn und Kinder in die Fänge von Facebook. Ein nicht abwegiger Gedankengang.

Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist wichtig und richtig. Sie wird Schulen vor neue Herausforderungen stellen. Es wird sich zeigen, ob sie wieder alleine gelassen werden. Denn mit einer neuen Gesetzgebung hat man nicht das Heilmittel allen Übels. Gewöhnlich dienen diese Maßnahmen zur Beruhigung. Das wird solange gut gehen, bis an einer Stelle wieder ein Leck entdeckt wird. Denn wer glaubt, dass Daten in Facebook stets geschützt seien, sei eines besseren belehrt. Bilddatei-Links sind durchweg frei zugänglich, wie nachfolgende Links zeigen. Ein gleiches Bild mit unterschiedlichen Abmessungen und Speicherorten. Obwohl verschiedene Schutzeinstellungen gewählt wurden, bis hin zur Bildlöschung, ist mit Kenntnis des Links Öffentlichkeit gegeben. Algorithmen können diese Links auslesen, abspeichern und nutzen.

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Es ist belegt, dass Facebook-Anwender keine Kontrolle über ihre Daten haben; selbst dann nicht, wenn sie von ihnen gelöscht wurden. Es wird sich zeigen, ob es der DSGVO gelingen wird dies zu ändern. Es bleibt deshalb spannend, wie sich Digitalisierung in Deutschland entwickeln wird. Vielleicht gelingt es uns, eines Tages dem Datengefängnis Facebook zu entfliehen.

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Thorsten Wollenhöfer

Autor bei EDUNETZ.org
Datenschutzbeauftragter im Bildungswesen
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
Bau sozialer Bildungsnetzwerke nach Maßgabe der DSGVO (GDPR)
Lebte von 2015-2018 in Rio de Janeiro und nahm internationale Bildungsaufgaben wahr
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch
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