Dilemma: Schulen schützen Daten nicht

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Schulen und das Internet = Datenschutz?
Fehlanzeige!

Wie umfangreich das Bundesdatenschutzgesetz (2017/2018) ist, möchte ich an dieser Stelle gar nicht ausführen. Entscheidend ist vielmehr, dass gerade Schulen eine besondere Sorgfaltspflicht mit der Erhebung und Verarbeitung von Daten haben. Wer einmal nach Verletzungen des Datenschutzes bei Schulen recherchierte, wird eine Trefferquote von über 90% erzielen.

Die ersten und kleineren Verletzungen spiegeln sich in der Homepage einer Schule wider. So fehlt beispielsweise ein Impressum oder es ist zumindest fehlerhaft, Bilder von Schülern und Lehrern werden vielfach ungefragt veröffentlicht, dazu Links zu Drittanbieterseiten ungeprüft platziert, fremde Bilddateien anderer Portale unkontrolliert eingebunden oder personenbezogene Daten durch Kontaktformulare ohne Verarbeitungshinweis erhoben.
Das niedersächsiche Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung hat eine gelungene Publikation zusammengestellt, wie es besser zu machen ist.

Das ganze Ausmaß an Peinlichkeiten der Schulen wird aber mit den tausendfach öffentlich zugänglichen Elternbriefen sichtbar. Predigen Schulen, sie würden sehr sorgfältig mit persönlichen Daten umgehen, so versagen sie hier komplett. Erstaunlich, dass von Eltern wenig Einwände zu kommen scheinen. Anders lässt sich nicht der öffentliche Zugriff erklären. Während Eltern die Fotos ihrer Kinder auf den Schulhomepages nicht dulden, scheinen sie mit der Publizierung in Elternbriefen, die als PDF-Dokument mit einem Link aufgerufen werden können, einverstanden zu sein. Dort eingebundene Bilder sind zwar auf einer Schulhomepage nicht unmittelbar sichtbar, doch spielt dies für eine Suchmaschine keine Rolle, weil diese in der Lage sind, PDF-Dokumente auszuwerten. Beispielhaft sei hier Google genannt.

Folgende gefundene Fauxpas sind auszugsweise aufgeführt und öffentlich zugänglich (alle Namen und Orte wurden aus Datenschutzgründen ersetzt):

Bekanntmachung - SekretariatBekanntmachung - LehrerschaftBekanntmachung - Mensa/SchulrestaurantBekanntmachungen - KrankheitenBekanntmachung - Zeitraum
Frau Mustermann A hat uns Ende des letzten Schuljahres offiziell verlassen und Frau Mustermann B hat seit dem 15.08. ihren Dienst bei uns aufgenommen.

Besser: Wir freuen uns auf Frau Mustermann, die ab dem neuen Schuljahr als Schulsekretärin zur Verfügung steht.

Beispiel 1: Frau Mustermann hat ihr Baby am 3. März 2016 im Stadtkrankenhaus bekommen und befindet sich zurzeit in Elternzeit.

Tipp: Streichen Sie solche Informationen vollständig. Persönliche Daten und Informationen sind Privatsache.

Beispiel 2: Außerdem verlässt Herr Mustermann unsere Schule, weil er seine Prüfung bestanden hat und zukünftig eine Stelle in Musterstadt hat.

Tipp: Streichen Sie solche Informatinen vollständig. Wer, wie, wo seine Prüfung bestanden hat und wohin er gehen wird, hat niemanden zu interessieren.

Die Mensa wird von Herrn Mustermann A betrieben. Unser Koch heißt Herr Mustermann B. Wenn Sie schon einmal einen Blick auf den Speiseplan werfen wollen, schauen sie im Internet auf der Seite „Muster Catering“ nach. Das Passwort lautet „musterspeise“.

Besser: Die Mensa wird durch Mustermann A betrieben. Unser Koch heißt Mustermann B. Wenn Sie mehr über den Speiseplan wissen möchten, so besuchen sie die Seite „Muster Catering“. Das Zugangspasswort haben wir jedem Elternteil in unserer E-Mail mitgeteilt.

Der Unterricht gestaltete sich schwierig, weil mehrere Erkrankungen von Lehrkräften und Beschäftigungsverbote für schwangere Lehrerinnen aufgrund der Grippewelle (betroffen waren Frau Mustermann A, Frau Mustermann B, Frau Mustermann C) zu personellen Engpässen geführt haben, die auch mit Unterrichtsausfall verbunden waren.

Tipp: Bekanntgaben von personellen Krankheiten mit Namensnennung haben weder in der Öffentlichkeit, noch in anderer Form im Internet etwas zu suchen.

Schulen publizieren ihre Elternbriefe, die oftmals sehr detailliert sind, über mehrere Jahre. Jedem ist es möglich, diese einzusehen und zu verwerten.

Tipp: Veröffentlichen Sie Elternbriefe nur mit einem Kennwortschutz, das sie vorher den Eltern via E-Mail mitteilten. Besser noch, Sie versenden den Elternbrief ausschließlich per E-Mail. Den besten Komfort bieten soziale Schulnetzwerke, die ausschließlich den an der Schule beteiligten Zugriff auf Schuldetails bieten. Wollen Sie die Publizierung auf Ihrer Homepage beibehalten, so löschen Sie spätestens nach einem Schuljahr veraltete und nicht mehr relevante Beiträge.

Obige Beispiele sind eine kleine Auswahl dessen, wie Schulen täglich den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte verletzen. Es finden sich etliche Fälle frei zugänglich im Internet.
Unser Tipp: Geben Sie die Verwaltung und Wartung von Schulhomepages in professionelle Hände. Lehrkräfte können zwar viel, doch sollten sie sich besser auf ihre Bildungsaufgaben konzentrieren.

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Thorsten Wollenhöfer

Autor bei EDUNETZ.org
Datenschutzbeauftragter im Bildungswesen
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
Bau sozialer Bildungsnetzwerke nach Maßgabe der DSGVO (GDPR)
Lebte von 2015-2018 in Rio de Janeiro und nahm internationale Bildungsaufgaben wahr
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch
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Christian Mayr
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Der sogenannte „Tipp“ am Ende des Artikels kann ja nur als Witz verstanden werden!
1) Man stelle sich vor, jede noch so kleine Schule (für die diese Öffentlichkeitsarbeit genauso wichtig ist wie für eine große) müsse sich von nun an die einmaligen und regelmäßigen Kosten einer Webdesign-Agentur leisten.
2) Fast schön frech ist es, zu behaupten, Lehrkräfte sollten sich besser auf ihre Bildungsaufgaben konzentieren. Wenn Lehrkräfte nur das täten, würde so Einiges im Schulleben und der Schulentwicklung aber ganz schnell zum Stillstand kommen. Eine absolut deplatzierte Aussage.