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Schulen schließen & digital unterrichten

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Seit Wochen spüren wir in Europa die immense Verbreitung des Coronavirus (Sars-CoV-2, Covid-19). Besonders stark betroffen sind die Länder China, Südkorea und Italien. Die Gefahrenlage in Italien hat einen dramatischen Zustand erreicht. 366 Todesfällen und 7375 Infizierte lassen die Alarmglocken schlagen, während Deutschland glaubt, so scheint es, immun gegen das Virus zu sein.

Auf der einen Seite sagt man eine Messe nach der anderen ab, während Fußballspiele mit zehntausenden Zuschauern auf engstem Raum weiterhin stattfinden dürfen. Das ist mit normalem Menschenverstand nicht mehr zu erklären und verschärft die Infektionsgefahr unkontrolliert.
Als Gründe am Festhalten der Spiele werden überwiegend wirtschaftliche Folgen benannt. Das ist nicht nur kurzfristig gedacht, sondern auch ohne Weitblick, weil bei einer nicht mehr beherrschbaren Infektionskette durch Covid-19, die Wirtschaft dramatischer getroffen werde, als sie es zur Wirtschaftskrise 2008/2009 erlebte. Deshalb ist die temporäre Schließung aller öffentlichen Einrichtungen und Veranstaltungen - also auch die Schulen - notwendig, um präventiv die Bevölkerung zu schützen.

Vier Wochen bundesweite Schulschließungen sollten kurzfristig umgesetzt werden.

Diese Maßnahmen sind schnell zu realisieren, dazu kostenarm und enorm effektiv, um die Virusverbreitung einzudämmen.

Fast alle Schulen haben Internet und E-Mail-Zugänge. Manche Schulen verfügen sogar über ein Kommunikationsportal oder ein soziales Schulnetzwerk, über das sie lernbegleitenden Schulunterricht durchführen können. Über die Zeit der Schulschließung können Unterrichtsinhalte verteilt und Aufgaben gestellt, die Ergebnisse wiederum per E-Mail oder über die Schulportale an die Lehrkräfte zurückgeführt werden.

Aus jeder Krise kann auch eine Chance erwachsen. Die fehlenden Investitionen in der Digitalisierung, treffen Deutschland jetzt doppelt hart. Mehr als 90 % aller Lehrkräfte sind mit digitalen Unterrichtsmedien nicht vertraut, weil Technik und Ausrüstung an den Schulen fehlen. Die schleppende Umsetzung des Digitalpakts zeigt, das die aufgestellten Hürden weiter zum Investitionsstau in Deutschland beitragen.

Auf gesundheitliche Krisen scheint Deutschland ungut vorbereitet zu sein. Will man Ruhe der Bevölkerung vermitteln, so benötigt man direkte und persönliche Informationskanäle gegenüber der Bevölkerung. Sehr unterschiedlich und mit starkem zeitlichen Versatz geben Schuleinrichtungen Informationen heraus. Gehen Meldungen seitens der Kultusministerien an einem Freitag Abend bei den Schulen ein, so werden diese gewöhnlich erst am darauffolgenden Montag gelesen, aufbereitet und an die Eltern verteilt. Allein dadurch wird wertvolle Zeit verschenkt, um alle am Schulleben beteiligten Personen frühzeitig auf Veränderungen vorzubereiten. Die Folgen daraus können unvollständige Informationen sein, die in Messengerdienste und sozialen Netzwerken Verbreitung finden. Informationslücken mit Fehlreaktionen könnten im Chaos enden.

Deshalb mein Appell an alle Kultusministerien in Deutschland:

Schließen Sie die Schulen für vier Wochen, um Lehrkräfte, Schulkinder und Eltern zu schützen.

Geben Sie den Schulen die Möglichkeit, sich selbst zu organisieren. Dazu zählt die temporäre Freigabe der Nutzung von kommerziellen Messengerdiensten und sozialen Netzwerken plus die E-Mail-Kommunikation von Lehrkräften mit Eltern, Schülerinnen und Schülern. Da sowohl die Lehrkräfte wie auch die SuS über Smartphones und -pads verfügen, könnte dem BYOD-Lernen eine bedeutende Rolle zukommen. In einer verordneten Zwangspause können Schulen Fernunterrichten, was ihnen die Chance einräumt,  die Vorteile der Digitalisierung binnen kürzester Zeit zu erlernen und individuell zu entwickeln. Aus dem Nichts würde Kreativität zugunsten der Digitalisierung entstehen, so dass Lehrkräfte neue Fähigkeiten erwerben und sie neue Unterrichtskonzepte erproben könnten.

Titelbild: EDUNETZ.org


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