Die Krux des Medienentwicklungsplans (MEP) und darin enthaltene Gefahren

Lesezeit: 14 Minuten

Was hätte ich mir im Rahmen des Digitalpakts die Schlagzeile „Digitalisierung verbessert Pädagogik“ gewünscht. Doch das Signal aus Baden-Württemberg ist anders.

„Erst die Pädagogik, dann die Technik.“

So nehme ich es wahr, wenn ich lesen muss, dass die Technik der Pädagogik folgen soll. Und weiter sagt das Land, „Nur mit einem guten pädagogischen Konzept und entsprechend qualifizierten Lehrkräften kann die digitale Technik ihr Potenzial im Unterricht voll entfalten“.

Natürlich ist es richtig, dass man qualifizierte Pädagogen braucht, doch man braucht auch die Qualifizierung für die Digitalisierung. Und diese kann ich bei der Umsetzung des Digitalpakts nicht erkennen.
Zwar spricht man von „methodisch-didaktischer Verankerung“, „Qualifizierung der Lehrkräfte“ und „Herstellung technischer Voraussetzungen“, doch in allem schwingt immer das Auge der Kritik mit. Natürlich muss man beide Seiten betrachten; doch wäre es nicht wünschenswert, die Digitalisierung als große Möglichkeit gerechter Bildungschancen zu verstehen?

Jetzt wo das Geld aus dem Digitalpakt endlich in die Schulen fließen soll, wird für dieses Zubrot aus dem Antrags- und Konzeptverfahren ein bürokratisches Monster konstruiert.

Sichtlich überrascht war ich, als ich den Medienentwicklungsplan von Baden-Württemberg (kurz „MEP BW“) von Schulleitungen als Internetlink vorgelegt bekam und den Beisatz „da ist ja eine ganze Doktorarbeit zu schreiben“ las. Das drückt ungefähr das aus, was Schulen zu leisten haben, um einmalig Geld aus dem Digitalpakt zu bekommen. Und wer glaubt, die Schulträger hätten es leichter, der irrt.

Nun habe ich mir den MEP BW genauer angesehen, um zu prüfen, wie sinnvoll die dortigen Vorgaben sind. Bevor ich in die Details gehe, habe ich wissen wollen, welche Aufgaben verfolgen eigentlich die Landesmedienzentren, die mit Stolz ihren MEP verpflichtend vorweisen?
Ein Blick in das Aufgabenprofil des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (kurz „LMZ BW“) verrät den Schwerpunkt der Unterstützung von Lehrkräften an Schulen und Trägern der Jugend- und Erwachsenenbildung in medienpädagogischer Beratung, Fort- und Weiterbildung, technischer Unterstützung usw. Ein Laie muss deshalb davon ausgehen, dass dort Profis am Werk sind.

Am Beispiel des MEP BWs möchte ich aufzeigen, dass die Gefahr falscher Entscheidungen und Wege, die Digitalisierung an den Schulen zu Nichte machen kann, zumindest aber erheblich verzögert.

Was gut gemeint ist, ist gewöhnlich wenig praktikabel. Ein jeder kann den Medienentwicklungsplan des Landes Baden-Württembergs online einsehen, siehe https://www.mep-bw.de/jw/web/userview/lmz_mep/mepprojekt/_/willkommen. Dort werden sieben Phasen aufgezeigt, die eine Schule durchlaufen muss. Tut sie es nicht, gibt es kein Geld. Und gleiches gilt auch für den Schulträger.

Um es schon an dieser Stelle zu verdeutlichen, jede Schule wird dazu verpflichtet mit dem Schulträger intensiv zusammenarbeiten. Sind mehrere Schulen an einen Schulträger gebunden, bedeutet das ggf. drei, fünf und mehr Konzepte, mit denen sich ein Schulträger auseinandersetzen muss. Ich habe mich gefragt, welcher Schulträger ist dazu tatsächlich bereit? Darf nicht eher unterstellt werden, dass der Schulträger, allein aus Kostengründen, lediglich ein Konzept für alle Schulformen favorisiert? Somit würde daraus ein Zentralismus folgen, der weder die Schulkinder noch die Lehrkräfte im Fokus sieht und den Verwaltungsakt priorisiert.

Schauen wir uns die 7 Phasen des MEPs BW genauer an.

Phase 1 (besteht aus vier Schritten)
Zunächst einmal ist es löblich, dass man alle Beteiligten in der Digitalisierung mitnehmen möchte. Es wird angeregt, dass man im stetigen Austausch mit seinen Ansprechpartnern steht. So wird gewünscht, dass Schulen bspw. auch auf „externe IT-Berater“ zurückgreifen. Genau diese kosten aber Geld. Und Geld steht erst zur Verfügung, wenn alle Phasen durchlaufen wurden. Bisher ist mir kein IT-Berater bekannt, der auf einen eventuellen zukünftigen Auftrag hin eine unentgeltliche Beratung und Betreuung vornimmt.
Geht die Landesregierung jedoch davon aus, die hausinternen Berater zu meinen, so dürften diese nicht für alle Schulen in Baden-Württemberg zur Verfügung stehen können, weil es dieses Volumen an Beratern gar nicht gibt.

Schritt 1 - Informationen einholen
Hier verweist man auf „eine mögliche Zielversion“, das „Beraterteam des Kreismedienzentrums“ und „Kontakte zu anderen Schulen“. Des Weiteren würden „ausgearbeitete Szenarien“ bereitstehen. Was das für Szenarien sein könnten, wird nicht näher skizziert.

Schritt 2 - Kontakt aufnehmen
Hier geht man davon aus, dass auch der Schulträger aktiv wurde, so dass schon sehr früh erste pädagogische und finanzielle Möglichkeiten ausgelotet werden.

An dieser Stelle sind erste Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zu erwarten, nämlich dann, wenn die eine Seite nicht die Aktivität der anderen zeigt.

Schritt 3 - Startvereinbarung treffen
Hier spricht man bereits von „groben Ausstattungszielen“ und „möglichen realisierbaren Maßnahmen“. Des Weiteren soll eine Partei eine „Absichtserklärung“ fixieren.

Meine Erfahrung der vergangenen Jahre zeigte, dass die dargestellte Harmonie zwischen dem Schulträger und der Schule oftmals nicht vorhanden ist. Für den Schulträger ist eine Schule zunächst ein Kostenfaktor. Je mehr man an ihr sparen kann, umso mehr Geld ist für andere Vorhaben in der Gemeinde verfügbar. Dies lässt sich an dem bundesweit existierenden Investitionsstau an Schulen von mehr als 45 Milliarden Euro ablesen.

Schritt 4 - Prozess starten
Der MEP BW geht nun davon aus, dass alles soweit erfolgreich abgeschlossen wurde und man die schulischen Gremien informieren kann. Ist die Zustimmung durch die Gesamtlehrerkonferenz (GLK) erfolgt, wird eine „MEP-Koordinationsgruppe“ erstellt, die sich nun um alles weitere zu kümmern hat - also die Lehrkräfte selbst.

Doch woher nehmen sich diese die Zeit dafür? Schließlich gibt es Lehrermangel, krankheitsbedingte Ausfälle, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, Elterngespräche usw. Das heißt, die Alltagslast der Schulen existiert weiterhin und nun kommt die Digitalisierung noch on top. Und wie groß wird die Motivation der Lehrkräfte sein, wenn sie wissen, dass sie für den Mehraufwand keine Mehrvergütung erhalten?
Allein die erste Phase ist eine nicht zu unterschätzende Hürde und dürfte einen Zeitraum von 4 bis 12 Monaten beanspruchen. Letztlich hängt alles vom guten Willen aller Beteiligten ab.

Phase 2 (besteht aus drei Schritten)
Der MEP BW verlangt die Bestandsaufnahme der Schule in punkto Unterricht, Personal und Technik, die den Ansprüchen und Erwartungen gegenüber zu stellen ist.

Schritt 1 - Bestandsaufnahme durchführen
Durch Befragung der Lehrkräfte den Kompetenzstand zur Digitalisierung ermitteln, während der Schulträger mit der Vorbereitung zur technischen Bestandsaufnahme beginnt.

Schritt 2 - Begehung durchführen
Anhand eines Begehungsprotokolls wird der technische Zustand (Ausstattung) festgehalten, um weitere technische Schritte zu planen.

Schritt 3 - Umfeldanalyse durchführen
Hier sieht der MEP BW vor, dass die Schulkinder und Eltern ihre Erwartungen und Anforderungen artikulieren können.

Sicherlich werden viele Fragen in der zweiten Phase entstehen, die nur bedingt beantwortet werden können. Die Dauer für einen erfolgreichen Phase 2-Abschluss dürfte zwischen zwei und vier Monaten liegen.

Phase 3 (besteht aus drei Schritten)
Der Schulträger und die Schule nutzen nun den MEP, um ihre Ziele zu formulieren. Und alles, was dazu bisher erarbeitet wurde, soll mit einfließen.

Schritt 1 - Auswertungen sichten und interpretieren
Hier wünscht man sich den Einsatz der MEP-App, die die Ergebnisse aus Kollegiumsbefragung und technischer Bestandsaufnahme in Diagrammen darstellt und auswertet.

Schritt 2 - Ziele definieren und erste Meilensteinplanung festlegen
Dieser Schritt sieht vor, die Ziele der Digitalisierung zu Unterricht, Personalentwicklung, Organisationsentwicklung und medientechnische Entwicklung zu definieren, um die daraus erarbeitenden Ziele und Bedarfe zu ermitteln, die als Abspracheverbindlichkeit zwischen Schule und Schulträger festgesetzt werden.

Ehrlich gesagt, hier gibt es einen gefährlichen Punkt der Disharmonie. Setzt man eine Abspracheverbindlichkeit fest, so dürfte sich ein Schulträger in der Kostenfalle sehen, die er so nicht mittragen wird. Tut er es doch, dann hat er bereits in Phase 1 dafür gesorgt, dass die Kosten nicht explodieren. Nicht wenige verwechseln die Digitalisierung mit der Anschaffung durch ein paar Tablets, Apps, einem Ladekoffer und einer Servereinheit und glauben, jetzt kann man digitalen Unterricht durchführen. Dem ist definitiv nicht so und zeigt die immense Unkenntnis, welche gesellschaftlichen Veränderungsprozesse bereits stattfinden.

Schritt 3 - Kommunikation initiieren und Planung abgleichen
Alles, was im vorherigen Schritt als Abspracheverbindlichkeit festgesetzt wurde, ist nun den Schulkindern und Eltern gegenüber zu kommunizieren, während der Schulträger seine Vorhaben der Sanierung und Infrastruktur abgleicht.

Wieder eine gefährliche Situation, nämlich die des Pausierens. Wer in der Praxis mit Sanierungsvorhaben im öffentlichen Sektor schon zu tun hatte, wird wissen, dass die zeitlichen Verzögerungen und Kosten explodieren können. Um allein die dritte Phase erfolgreich abzuschließen, sehe ich einen Zeitbedarf von weiteren drei bis neun Monaten.

Phase 4 (besteht aus zwei Schritten)
Nun sollen die notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden. Es werden Strukturhilfen und Planungsunterlagen zur Verfügung gestellt. Woher diese kommen und was die Inhalte sind, wird nicht benannt.

Schritt 1 - Maßnahmen festlegen und Bewilligungen einholen
Es werden weitere Gruppen benötigt, nämlich Arbeits- und Projektgruppen. Wieder müssen Schulträger und Schule ihre gemeinsam definierten Ziele festlegen, nämlich für die Einreichung der Maßnahmen und Arbeitspakete. Man weist freundlich darauf hin, dass der Schulträger die finalen Absprachen und Bewilligungen innerhalb der Gremien in Gang setzt.

„Wenn du nicht mehr weiter weist, dann bilde einen Arbeitskreis“ schoss mir just in diesem Moment durch den Kopf und ich fragte mich, ob die MEP-Entwickler tatsächlich das Schul- und Gemeindeleben in der Praxis kennen und wirklich den digitalen Erfolg der Schulen wollen? Doch wir sind ja erst am Anfang der Phase 4.

Schritt 2 - Projektplan erstellen und Umsetzungsmöglichkeiten festlegen
Nach dem die Gruppen gebildet und aktiv wurden, ist jetzt ein „Projektplan“ und ein „Meilensteinplan“ für die Umsetzung einzelner Entwicklungsprojekte zu definieren. Und dem Schulträger wird auferlegt den Abgleich des Bedarfs an technischer Ausstattung und medienpädagogischem Konzept der Schule durchzuführen.

Spätestens im zweiten Schritt der vierten Phase fängt es an kompliziert zu werden. Was anfangs noch geordnet und überschaubar erschien, scheint sich nun zu verstricken. Mehr Gruppen als zuvor müssen sich koordinieren, dazu das Erarbeitete mit einbringen, neue Pläne aufsetzen und die Kosten dürften sich dazu auch fortlaufend geändert haben. Die Praxis zeigt, je mehr Menschen in einem Verfahren eingebunden werden, desto mehr Komplexität und Chaos wird produziert. Nicht umsonst heißt es, „zu viele Köche verderben den Brei“. Glück dem, der es schafft in sechs Monaten die Phase 4 abzuschließen.

Phase 5 (besteht aus drei Schritten)
Jetzt darf endlich umgesetzt werden, was man in 16 bis 31 Monaten erarbeitet hat. Bis hier hin sind also gut 1 ½  bis 2 ½ Jahre vergangenen. Das Land Baden-Württemberg sieht einen Abruf der Fördermittel innerhalb drei Jahren vor, also bis ins Jahr 2022. Sicherlich soll dieses Zeitfenster dazu beitragen, den Schulen einerseits ausreichend Zeit zur Umsetzung der Digitalisierung zu geben und anderseits den Druck auszuüben im vorgegebenen Rahmen fertig zu werden.
Aber mal ehrlich liebe MEP-Planer, ist Ihnen bewusst, wie schnell die Digitalisierung in drei Jahren vorangeschritten sein wird? Eine Schule, die praktisch erst in drei Jahren mit der Digitalisierung beginnt, wird mit einem veralteten und überholten Konzept starten.

Schritt 1 - Kommunikation initiieren / Beschaffung in die Wege leiten
Nun heißt es ordentlich zu kommunizieren, wobei ich vorschlage, besser gekonnt zu kommunizieren. Der große Schwachpunkt im Bildungssektor ist die Kommunikation. Nirgend wird so viel fehlkommuniziert, wie in Schulen. Und dort kostet sie viel Zeit und damit Geld.
Im diesem Schritt müssen nun alle ran: Das Kollegium, die Schülerinnen und Schüler wie auch die Eltern sollen nun über den Start der geplanten Vorhaben und Projekte unterrichtet werden, während der Schulträger die Beschaffung und Installation fixiert.

Schritt 2 - Maßnahmen zur Umsetzung vorbereiten / Installation und Abnahme durchführen
Hier beginnt der Teil, auf den eigentlich alle von Beginn an warteten - die Vorbereitung für die Praxis und dem Hinweis für ein eventuelles Pilotprojekt.

Das ist starker Tobak. Als ich das Wort „Pilotprojekt“ las, da fragte ich mich, ob die MEP-Planer wirklich wissen, was der Sinn eines Pilotprojekts ist und an welche Stelle man es setzen sollte? Wer jetzt daran denkt, dass ein Pilotprojekt nur zum Tragen kommt, um Fragen der Akzeptanz, der Wirtschaftlichkeit und technischen Erprobung zu messen, der sollte wissen, dass ein Feldversuch auch zur kompletten Einstellung einer Maßnahme führen kann. Dann wäre bereits hier das Digitalisierungsprojekt gestorben, bevor es richtig begonnen hätte. Also, Pilotprojekte gehören ganz an den Anfang, um alle weiteren Maßnahmen auf die daraus resultierenden Ergebnisse aufzubauen.

Das MEP BW will es anders, nämlich die technische Inbetriebnahme mit „ggf. vorgeschalteter Pilotphase“, wobei das Kollegium nun die Einführung in die „Handhabung und den Einsatz der neuen Technologien“ erfahren soll. Der Schulträger wiederum sollte in diesem Schritt alle nötigen Beschaffungen und Installationsmaßnahmen und die technische Abnahme durchführen.

Das ist interessant. Das Kollegium soll in die neuen Technologien eingeführt werden, während der Schulträger diese erst noch beschaffen, installieren und abnehmen muss. Bedeutet das nun, dass die Lehrkräfte theoretischen Unterricht erhalten werden und dann, vielleicht Wochen oder Monate später, mit der Praxis beginnen?

Schritt 3 - Maßnahmen und Projekte umsetzen
Jetzt dürfen die Lehrkräfte endlich unterrichten, vorausgesetzt der „Schritt 2“ funktionierte reibungslos und dauerte nicht zu lange.

Meine Erfahrungen zeigen, Schulen benötigen für die Phase 5 vier bis acht Monate. 20 bis 39 Monate wird der benötigte Korridor sein. Bei der einen Schule vielleicht etwas flotter, bei der anderen durchaus länger. Aber Moment, was ist mit den Phasen 6 und 7? Nichts geht ohne Nachprüfungen!

Phase 6 (bestehend aus drei Schritten)
Hier will das MEP BW wissen, wie erfolgreich denn die Phasen 1 bis 5 umgesetzt wurden. Umfassende Prüfungen sind wichtig und richtig. Müssen wir uns aber nicht darauf einstellen, dass der Evaluierungsprozess fortlaufend besteht? Wer die Digitalisierung kennt, der weiß, dass diese einem stetigen Wandel, der nie aufhört, unterliegt. Man kann auch sagen, Digitalisierung ist lebenslanges Lernen.

Schritt 1 - Evaluation planen
Natürlich, es muss wieder geplant werden. Die Schule beginnt die Ziele der Evaluation zu benennen, die Mittel zu bestimmen und wie sie ablaufen soll. Und auch der Schulträger hat seinen Beitrag dazu zu leisten.

Was sollen Schulträger noch alles tun? In Gesprächen mit den Verantwortlichen erfahre ich, dass sie sich um die Hardware kümmern, doch von allen anderen Dingen wenig Ahnung haben und sich auch nicht in das Funktionieren eines Schulbetriebs einmischen wollen. Es gibt nämlich viele weitere Einrichtungen, die in Gemeinden und Städten zu berücksichtigen sind, so der Tenor.

Schritt 2 - Schulische Evaluation durchführen / Technischen Ist-Stand aktualisieren
Nun wird praxisgerecht evaluiert, bei allen Befragungsgruppen. Der Schulträger aktualisiert seine Bestandsliste.

Schritt 3 - Schulische Evaluationsergebnisse auswerten
Der Fokus liegt klar auf den Ergebnissen aus Schritt 2. Der MEP BW spricht von Fokussierung auf die Stärkenorientierung. Vermutlich soll gezeigt werden, worin die Digitalsierung besonders positiv spürbar auftauchte und eben auch nicht.

Eine Dauer von drei Monaten erscheint mir für Phase 6 angemessen.

Phase 7 (bestehend aus einem Schritt)
Eigentlich steht in diesem letzten Schritt der Erfolg. Für das MEP BW jedoch die Entscheidung „zufriedenstellender Abschluss“ oder einen „weiteren Entwicklungszyklus zur Medienentwicklung vorbereiten“.

Ich verstehe, wenn man Schulen ausreichend Raum geben möchte sich zu entwickeln. Nur welche Botschaft sende ich aus, wenn das Beste, was eine Schule am Ende erreichen kann, eine Note 3 ist? „Zufriedenstellend“ heißt in unserem deutschen Bildungssystem nämlich nichts anderes. Das ist mir zu wenig und wird den Chancen der Digitalisierung nicht gerecht.


Fazit
Ich bin enttäuscht. So funktioniert Digitalisierung nicht. Mir fehlen das Herz und die Vernunft am richtigen Platz. Der Weg des MEP BWs ist langatmig, aufwendig und wenig effizient. Die Digitalisierung arbeitet mit dem Faktor 10 und gehandelt wird analog mit dem Faktor 1. Diese zwei Welten greifen nicht wie Zahnräder ineinander, sie laufen nebenher und weit voneinander entfernt. Wer es mit der Digitalisierung ernst meint, ist in der Lage, binnen eines Schulhalbjahres ein Pilotprojekt mit den Willigen auf die Beine zu stellen, was im zweiten Schulhalbjahr seine Endabnahme per Evaluierung findet. Nach 12 Monaten lernen alle Lehrkräfte die Digitalisierung zu verinnerlichen, und zwar in mobiler Form. Was man künftig nicht in der Schule schafft, schafft man von unterwegs oder Zuhause aus. Digitale Mobilität kennt die analogen Grenzen nicht, und das ist auch gut so.

Während ich meine Analyse zum MEP BW verfasste erreichte mich der Artikel „Eine neue Hoffnung“ in der Online-Ausgabe der FAZ vom heutigen Tage. Darin ist zu lesen, welche zukunftsweisenden Chancen den Deutschen zu entgehen drohen.


Wollen Sie live dabei sein, wenn wir das nächste Mal berichten? Dann folgen Sie doch unserem EDUNETZ-Newskanal mit dem Telegram-Messenger. Bildungsnachrichten in Echtzeit!

EDUNETZ-Newskanal in Echtzeit

Netzwerke

Thorsten Wollenhöfer

Autor bei EDUNETZ.org
Datenschutzbeauftragter im Bildungswesen
Betrieblicher Ausbilder (IHK)
Lehrkräftefortbilder (HLbG)
Zertifizierter Multiplikator für Elternschulungen des Hessischen Kultusministeriums
Bau sozialer Bildungsnetzwerke nach Maßgabe der DSGVO (GDPR)
Lebte von 2015-2018 in Rio de Janeiro und nahm internationale Bildungsaufgaben wahr
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch
Netzwerke

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.