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5 Trends der Digitalisierung in den Schulen in den nächsten 5 Jahren

Lesezeit: 8 Minuten

Schulen erleben durch die Digitalisierung einen nie dagewesenen Veränderungsprozess. Bereits in den kommenden fünf Jahren (bis 2025) werden Erfolg und Misserfolg sichtbar sein.

Überall in Deutschland sind Schulen mit den Medienentwicklungsplänen ihrer Bundesländer beschäftigt. Da die Bildungshoheit bei den Ländern liegt, fehlen einheitliche Standards. Es sei unterstellt, dass jedes Bundesland es bestens machen möchte. Die vermeintliche „Perfektion“ kann aber zu einem echten Hindernis werden, wie der Beitrag „Die Krux des Medienentwicklungsplans (MEP) und darin enthaltene Gefahren“ zeigt.

Das größte Hindernis im Fortkommen in der Digitalisierung sind die Lehrkräfte selbst. Verschiedene Generationen sind im Schulbetrieb vertreten. Besonders die über 55-jährigen mit einer Schulzugehörigkeit von mehr als 20 Jahren tun sich schwer. Sind sie dann noch in Leitungsfunktionen tätig, ist die Transformation zur digitalen Bildung besonders gefährdet (vgl. „Wie Führung die Reaktionsfähigkeit auf die digitale Transformation entwickeln kann“).

Privatschulen gewinnen von Jahr zu Jahr an Zulauf und sind gefragter denn je (vgl. „Hamburger Abendblatt vom 7. August 2019“). Nicht selten sind Eltern mit öffentlichen Schulen unzufrieden. Dort wo der Staat Schulen schließt, entstehen private Schulen neu.

Die Bildungsentwicklung, die zuletzt in der Zeit von 1969 bis 1977 (große Bildungsreform) sich stark wandelte, wird durch die Digitalisierung einer noch viel intensiveren Veränderung unterliegen. Richard David Precht, Deutschlands bekanntester Philosoph, spricht über die vierte industrielle Revolution, wie in dem nachfolgendem Interview des ORF Fernsehens zu sehen ist. „Einer der dramatischsten Folgen, neben den positiven Effekten, die es natürlich auch gibt, wird sein, dass wir eine Massenarbeitslosigkeit in Europa kriegen, wie wir sie uns überhaupt noch nicht vorstellen können“, so Precht.

Hinweis: Leider hat der ORF das Video gelöscht, so dass es nicht mehr zur verfügung steht.

Ein System, das nach wie vor analog ausbildet und sich dem gesellschaftlichen Wandel verschließt oder nicht rechtzeitig öffnet, wird nicht nur sich selbst, sondern auch der Gesellschaft massiven Schaden zufügen. Deshalb ist es oberste Priorität, die Digitalisierung mitzugestalten und nicht zu verteufeln. Erfolgreiche Schulen werden in den kommenden fünf Jahren ihr statisches Dasein aufgebrochen haben.
Dazu werden wir erleben, wie sie sich zunehmend vernetzen, ihr Wissen austauschen, dabei ihr Sprachgefüge in Wort und Schrift trainieren, das äußere Erscheinungsbild professionalisieren und stärker im Wettbewerb stehen. Schulen werden künftig von Menschen geführt, die, neben der pädagogischen Qualifikation, auch ein kaufmännisches Verständnis entfalten – vielleicht sogar in einer Doppelspitze.

Welche Trends werden Realität?
1.Soziale Medien standardisieren die
Informationsverteilung

Schon heute zählen soziale Netzwerke wie z. B. Facebook, Instagram, WhatsApp, Twitter oder Telegram zu den wichtigsten Informationsträgern gegenüber dem Individuum. Schulen werden solche Netzwerke nur bedingt nutzen (z. B. um aufzuklären) und verstärkt ihr eigenes soziales Medium in den Fokus rücken. Somit gewinnen soziale Schulnetzwerke stark an Bedeutung. Schulen werden lediglich externe Datenautobahnen bedienen, um ihre eigene Informationsbenachrichtigung dem Empfänger zuzustellen. Der Inhalt der Information wird aber in ihrem eigenen Netzwerk verbleiben, um den Schutz persönlicher Daten zu gewährleisten.

2.Medien werden menschlicher, optimierter und
persönlicher

Automatisierung und künstliche Intelligenz (KI) sind in der Digitalisierung treibende Faktoren, und sie machen vor Schulen nicht halt. Die Lehrkraft zählt glücklicherweise zu jener Berufsgruppe, die nicht aussterben wird. Sie wird sich aber wandeln, d. h., Lehrkräfte werden die Fähigkeit mitbringen müssen, das Talent eines jeden Schulkindes herauszuarbeiten, zu fördern und im Hinblick auf die Digitalisierung zu formen. Dabei wird der Gestaltung der Kreativität besondere Bedeutung beigemessen. Lehrkräfte werden weniger Frontpersonen im klassischen Schulunterricht sein, sie werden Kinder begleiten, beobachten, als Unterstützer und Förderer, sowie als permanenter Ansprechpartner dienen (z. B. außerhalb der Schulzeiten). Dabei bedienen sie sich auch der Mittel, die komplexe Inhalte vielleicht besser darstellen können als sie selbst – Stichwort Videotutorial.

3.Apps ersetzen nicht die Pädagogik und schaden der
geistigen Entwicklung

Vielfach beginnen Schulen mit der Digitalisierung, in dem sie Geräte (Tablets) anschaffen und auf sie alle möglichen Applikationen (Apps) aufspielen, um dann einen Schulunterricht zu betreiben, wie sie ihn mit Schulbüchern und Arbeitsblättern erlernten. In der Digitalisierung funktioniert das nicht und sie werden grandios scheitern. Das Gerät selbst ist weitaus weniger bedeutend, als ihm beigemessen wird. Eine Applikation fördert weder den Denkprozess, noch unterstützt sie die Kreativität – sie ist lediglich Mittel zum Zweck. Deshalb müssen Lehrkräfte gezielt weitergebildet werden, um ihnen die Möglichkeiten in der Digitalisierung aufzuzeigen, wie sie ihre eigenen Fähigkeiten einsetzen und erweitern können. Die Pädagogik erfüllt dabei eine Schlüsselfunktion, während die Wissensvermittlung lediglich spezialisiert. Wer die Oberhand über Maschinen und Digitalisierung behalten möchte, muss in der Lage sein, besser zu sein als sie selbst. Grund- und Förderschullehrkräfte werden den Umgang mit der Digitalisierung viel leichter und nützlicher bewältigen können, als ihre Mitstreiter der weiterführende Schulen, besonders die der Gymnasien, weil sie deutlich breiter und flexibler in ihrem täglichen Unterricht gefordert sind.

4.Datenschutz wird wichtiger denn je,
Aufklärung schützt

Die Sensibilisierung für den Datenschutz ist spätestens mit Wirkung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vom 25. Mai 2018 bekannt. Obwohl 9 von 10 Schulen sie als ein bürokratisches Monster wahrnehmen und ablehnend behandeln, werden sie nicht um sie herumkommen. Denkt man an vergangene deutsche soziale Netzwerke zurück, wie z. B. schülerVZ, so wünschen sich nicht wenige dieses Netzwerk in einer Neuauflage. Dies darf unterstellt werden, wenn man sieht, wie Facebook täglich die Datenschutzrechte der Verbraucher missachtet.
Die DSGVO ist ein Exportschlager und Vorbild für andere Länder dieser Erde. Mehrfach berichteten die Tageszeitungen darüber, u. a. die WELT des Axel-Springer-Verlags. Dies sollte Anlass sein, dem Datenschutz in Schulen, der ja auch bei analogen Vorgängen einzuhalten ist, besonderes Augenmerk zu schenken. Gerade die Digitalisierung erleichtert den Schulen die Verwaltung des Datenschutzes, wenn sie in ihrem eigenen sozialen Schulnetzwerk agieren. Einen Vorteil wissen die Schulen, die es geschickt verstehen, bestehende Technologien miteinander zu verknüpfen. Die Schlossschule aus Baden-Württemberg begeistert seit Februar 2018 Lehrkräfte, Eltern und Gemeinde gleichermaßen. Sei es beim Datenschutz, der Transparenz und Aufklärung, der Aktualität von Inhalten, des automatisierten Newslettersystems, der Echtzeitkommunikation oder Einbindung von Hashtags und der zahlreichen Klassengruppen und Foren – hier bleibt alles unter einem Dach.

5.Permanentes Trainieren, Weiterbilden und
Qualifizieren

Die Digitalisierung ist ein nicht endender Prozess des Weiterentwickelns. Während Schulbücher in ihrem Umfang ihre Begrenzung finden, sind digitale Inhalte stets erneuer- bzw. austauschbar und fast grenzenlos. Ein gänzlich neues Denken muss trainiert werden, um vernetzte Denkstrukturen zu erlernen. Dabei gelten stets die Benutzerfreundlichkeit und Mobilität im Auge zu behalten. Alles, was dem Schulbetrieb dient, um das Schulleben zu qualifizieren, zu schützen und zukunftsfähig zu machen – ist erlaubt. Hingegen das, was schadet, behindert und erschwert – zu eliminieren. Gerade weil die Digitalisierung viel Positives bewirken kann, ist sie auch in ihrem Negativen nicht zu unterschätzen. Deshalb bedarf es der Regeln und des Erlernens von digitalen Elementen und Umgangsformen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu forcieren. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung darf weder von Staatsseite, noch von Unternehmen beschnitten werden.

Titelbild: Broschüre Vektor erstellt von katemangostar - de.freepik.com

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4 Gedanken zu „5 Trends der Digitalisierung in den Schulen in den nächsten 5 Jahren

  1. Benjamin B.

    Wie das so ist im Leben, stimme ich einigen Aspekten zu und anderen nicht, das ist halt so. Aber was mich stört ist, dass keine Absatz mit einer wissenschaftlichen Quelle belegt ist. Nur was durch Studien belegt ist, ist relevant. Alles andere ist persönliche Meinung. Wenn ich den Artikel lese, könnte ich sogar einiges mit Studen belegen, anderes sogar widerlegen. Das einzige was man vorfindet, sind Links zu “edunetz.org” selbst – was aber keine Quelle ist, was man sich selbst referenziert.

    Benjamin B.

    1. Thorsten Wollenhöfer Post Author

      Sehr geehrter Herr Benjamin B. ,

      herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Es würde mich freuen, wenn Sie die Ihnen bekannten Studien des Für und Wider in Ihrem Kommentar verlinken, so dass die Leser von Ihrem Wissen profitieren können.

      Herzlichen Dank für Ihre Mühen im Voraus!

      Es grüßt
      Thorsten Wollenhöfer

    1. Thorsten Wollenhöfer Post Author

      Sehr geehrter Herr W.,

      danke für Ihren Beitrag. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Schulen als Beispielschulen benennen könnten, um unsere Leser mit Ihrem Wissen zu bereichern.

      Viele Grüße
      Thorsten Wollenhöfer

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