Zu früh gefreut - Irrsinn der Geräteanschaffung

Die Ersten werden die Letzten sein – der Irrsinn der Geräteanschaffung

Den Digitalpakt gibt es nun seit 1½ Jahren und er funktioniert nicht. Die Idee des Bundes, nämlich direkt die Schulen mit Geldern zu unterstützen, scheitert an der Bürokratie der Bundesländer. Hier zeigt sich, wie schädlich Förderalismus wirken kann.

Als in der Satiresendung „heute-show spezial“ des ZDFs vom 4. September 2020 über die Bildungsmisere in Deutschland berichtet wurde, gab es auch ein Interview mit der Bildungsministerin Dr. Susanne Eisenmann aus Baden-Württemberg. Dieses Bundesland vermarktet sich erfolgreich mit dem Slogan „Wir können alles, außer Hochdeutsch“. Im Zeitalter der Digitalisierung müsste es heißen „Wir können alles, außer Digitalisierung an Schulen“.
In dieser Sendung wird deutlich, dass eine schwache Digitalisierung nichts mit dem „Reichtum“ eines Bundeslandes zu tun hat. Nicht das Geld ist entscheidend, sondern wie effizient es eingesetzt wird. Und Frau Dr. Eisenmann macht überdeutlich, wie stolz sie ist, dass sie von dem Geld, das Baden-Württemberg aus dem Digitalpakt zur Verfügung steht, nach mehr als einem Jahr satte 0,6 % abgerufen hat.

0,6 % von 100 % hat Baden-Württemberg an Fördermitteln bereits aus dem Digitalpakt abgerufen

Fabian Köster, der im obigen Satirebeitrag Frau Dr. Eisenmann interviewt, weist darauf hin, dass Schulen verpflichtet sind, einen Medienentwicklungsplan (MEP) zu erstellen, der bereits unausgefüllt (!) 37 Seiten umfasst, und er ihr die Frage mit einem leichten Schmunzeln anschließt, ob man auf Seite 38 nicht gleich einen Antrag auf Burnout mit anhängt?

An diesem Beispiel wird die Traurigkeit der Digitalisierung an Schulen  in Deutschland mehr als deutlich. Bereits mit meinem Beitrag „Die Krux des Medienentwicklungsplans (MEP) und darin enthaltene Gefahren“ skizierte ich die Probleme dieses Vorgehens und sagte voraus, dass Baden-Württemberg damit nicht erfolgreich werden wird. Und man lese und staune, meine Prognose vor fast einem Jahr hat sich bewahrheitet. Mögen sich die Kritiker daran ereifern, dass die Corona-Pandemie an allem Schuld sei. Dem ist nicht so. Vielmehr hat die Pandemie den mangelhaften Zustand der Digitalisierung an Schulen sichtbarer gemacht.

Am Montag (21.09.) trafen sich die Kultusminister zum „Schulgipfel“ im Kanzleramt und beschlossen unter anderem, dass Lehrer zügig Laptops bekommen sollen. Man möchte enger zusammenarbeiten, so der Tenor. Was bitte schön war dann der Digitalpakt?

Schon im September 2018 verfasste ich den Artikel „Ein iPad unterrichtet Kinder nicht“. Verdammt noch mal, was will ich denn mit all den Geräten, wenn die Schulen keine vernünftige Infrastruktur aufweisen?
Das, was die Digitalisierung ausmacht, ist die Vernetzung. Ein Gerät ohne brauchbaren Internetanschluss ist ein totes Gerät. Gerade Tablets sind darauf ausgerichtet, weil sie nur einen begrenzten lokalen Speicher haben. Die Softwareprogramme (Apps) sind vielfach abgespeckt und nicht mit dem Funktionsumfang der Software zu vergleichen, die auf Desktop-Rechnern laufen. Neun von 10 Schulen verfügen über eine mangelhafte Infrastruktur und über kein Personal, das diese Infrakstruktur verwalten oder warten könnte. Der Sanierungsstau der Schulgebäude in Deutschland hat fast 50 Milliarden Euro erreicht. Und jetzt sollen Geräte es richten, nur um den Schulen das Gefühl zu geben, sie könnten Digitalisierung?

Ich freue mich über jede Schule, bei der es besser läuft und es ist Zeit, dass Bildung in Deutschland auf ein hohes digitales Niveau gehoben wird. Nur das, was sich erneut abzeichnet, scheint mir nicht zielführend. Wer jetzt Geräte anschafft, egal welcher Art, macht eine Investion in die Vergangenheit, wenn keine Infrakstruktur vorhanden ist. Um es an dieser Stelle zu verdeutlichen: Laptops, Tablets, Smartphones, Notebooks, Netbooks, Chromebooks und wie sie alle heißen - es sind Geräte der Mobilität mit einer Datencloud. Das heißt, ich bewege mich mit ihnen und ich bin von Zeit und Ort unabhängig. Dazu kann ich mit jedem Gerät an der Stelle weiter arbeiten, wo ich auf einem anderen Gerät zuvor aufhörte. Mancher kennt diesen Komfort bereits von Streamingdienstanbietern wie Netflix, Amazon Prime Video oder Apple TV+. Digitalisierung stationär zu denken ist mit das Dümmste, was eine Schule tun kann. Es gibt aber Schulen, die genau das machen. Schon im Dezember 2018 schrieb ich über diese Problematik - Die 7 größten Fehler bei der Umsetzung der Digitalisierung in den Schulen.

Mobilität im Jahr 2020 braucht kluge, vernetzte Strukturen und mächtige Datenpower. Dazu Schutzmaßnahmen, um der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gerecht zu werden. Nirgends werden Datenschutzrechte so häufig und massiv verletzt, wie an Schulen. Ein Blick auf die Homepages der Schulen bzw. den Aktionismus in der Hochzeit der Pandemie genügt. Würden es die Kultusministerien mit der Digitalisierung ernst meinen, dann hätte bereits vor fünf Jahren ein flächendeckender digitaler Infrastrukturausbau an den Schulen beginnen müssen, um modernste Geräte heute einsetzen zu können.

Die erste Welle der Coronavirus-Pandemie ist mit einem gigantischen volkswirtschaftlichen Schaden zu Ende gegangen. Einen zweiten Lockdown wird man sich kaum leisten können. Die Welt verändert sich gravierender und schneller, als selbst ich prognostizierte. Wir wissen nicht, wie uns die Pandemie weiter einschränken wird. Sicher ist, wir werden künftig weniger reale soziale Kontakte haben und immer mehr virtuelle. Dazu brauchen wir Ideen, die nicht das Gerät in den Mittelpunkt stellen, sondern die Inhalte, um digitale Pädagogik zu betreiben, die nicht länger die analoge Pädagogik imitiert.

Das Virus wird uns viel länger begleiten, als uns momentan bewusst ist. Wir werden lernen müssen, mit diesem Virus zu leben. Jetzt einen „device reboot“ zur Befriedigung von Schulgelüsten durchführen zu wollen, ist genauso unüberlegt, wie der unkontrollierte Lockdown einer Wirtschaft.

Was können Schulen jetzt tun, um die Digitalisierung zu starten?

Jedes Jahr erscheinen neue mobile Geräte auf dem Markt. Wer sich heute eines kauft, wird in zwei Jahren bereits mit veralteten Einheiten hantieren und vielleicht noch immer keine zufriedene Infrastruktur an der Schule wissen.

Lehrkräfte sollten sich zunächst auf die Schulkinder konzentrieren, die nicht über eine digitale Umgebung verfügen. Es gilt die Schwächeren zu stärken und ihnen die Angst zu nehmen, sie könnten nicht Teil einer modernen Bildungslandschaft sein.

Danach sollte jede Schule mit engagierten Webdesigner zusammenarbeiten, die aus der Schulhomepage ein eigenes soziales Schulnetzwerk zaubern und eine Kommunikationsbasis schaffen, so dass Lehrkräfte, Schüler und Eltern, also alle die, die an einem analogen Schulleben beteiligt sind, zu jeder Tages- und Nachtzeit sich mit ihrem Wirken einbringen können. Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, sollten sie Open-Source-Produkte einsetzen und mit DSGVO-konformen Modulen kombinieren, so dass einerseits die Echtzeit-Kommunikation gewährleistet ist und andererseits Cloudlösungen den Datenzugriff auch für Teilnehmer außerhalb der Schulgemeinde temporär erlauben. Das ganze wird durch LMS-Applikationen (Learning Management System) ergänzt, die ein digitales Lernen fördern und Ideen zum digitalen Lernen forcieren. Das digitale Schulleben findet ausschließlich im schuleigenen sozialen Netzwerk statt, also in einer kontrollierten und DSGVO-konformen Umgebung.

Nicht vorstellbar? Doch! Und wer nun wissen will, mit welchen Kosten eine Schule zu rechnen hat, dem sei versichert, dass bei kleineren Schulen ca. 500 € monatliche Kosten entstehen, bei größeren Schulen etwa 1.000 €. Dazu kann eine Schule alle Markengeräte verwenden, die über einen HTML5-fähigen Internetbrowser zuverlässig verfügen. Ein eigener Schulserver wird dazu genauso wenig benötigt, wie das dafür erforderliche Personal. Eine stabile Interntverbindung ist alles.

Zusammengefasst: Will man Digitalisierung ernsthaft betreiben, dann braucht es keinen „deutschen Plan“, sondern den Mut einfach zu beginnen und sich die Dinge entwickeln zu lassen. Es gibt stets Mittel und Wege, auch für diejenigen, die im Moment noch gar nicht daran gedacht haben.

Titelbild: im Lizenzverbund der EDUNETZ.org


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7 Gedanken zu „Die Ersten werden die Letzten sein – der Irrsinn der Geräteanschaffung

  1. ML Issel

    Sehr geehrter Herr Wollenhöfer,
    mit Interesse und viel Zustimmung habe ich Ihren Artikel gelesen.
    Allerdings wurde ich als Leiterin einer kleinen Schule am Ende durch die Kosten desillusioniert – auch 500Euro monatlich sind für unser Budget undenkbar. Hier müsste es Unterstützung geben, die nicht zulasten der einzelnen Schule geht.
    Auch der Aufbau einer vernünftigen Homepage stellt uns vor große Herausforderungen – hier fehlt es definitiv an Manpower durch die Schulträger oder auch das Land.
    Aber, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ;-).

    1. Thorsten Wollenhöfer Post Author

      Liebe Frau Issel,

      danke für Ihren Kommentar. Ich habe versucht Sie telefonisch zu erreichen, doch sagte mir eine Lehrkraft, dass Sie eine Dienstbesprechung haben. Vielleicht habe ich die Möglichkeit Ihnen zu helfen, ich würde mich über einen Rückruf freuen (Mobil +49 171 2099000, auch WhatsApp, auch via Telegram über @Datenschutzbeauftragter, gerne auch FaceTime).

      Herzliche Grüße
      Thorsten Wollenhöfer

  2. Andreas

    Sehr geehrter Herr Wollenhöfer,
    immer wieder höre ich vom Einsatz von “Open-Source-Produkten” als kostengünstige Lösung für die Schulen.
    Was ist mit Windows10 und Office365 über den FWU Vertrag?
    Kostengünstig: nur ca. 7,00€/Lehrer/Monat
    Nutzen: kostenloses W10 und Office365 für alle Schüler, alle Mitarbeiter und alle Computer/Tablets usw. der Schule und zu Hause, kostenloser Virenscanner und kostenlose Managementplattform für die Computer und mobilen Endgeräte (Intune)
    DSGVO-konformen: ist möglich (siehe z.B. Stadt Nürnberg)
    Somit hat man mit einem Schlag, ohne auch nur einen PC in der Schule erneuert zu haben, seine komplette Schule ins neue digitale Zeitalter gebracht. Über Teams kann man sofort ein schulinternes Netzwerk aufbauen, mit Schülern kommunizieren und Fernunterricht durchführen. Besonders finanziell und sozial schwächere Familien profitieren davon.
    Anschließend kann man organisiert, über Intune verwaltet und ohne großen Aufwand (Autopilot) die HW-Ausstattung in der Schule erneuern und z.B. auch BYOD nutzen.

    Könnte ich das alles wirklich kostengünstig mit Open-Source realisieren?

    Freundliche Grüße,
    Andreas

    1. Thorsten Wollenhöfer Post Author

      Lieber Andreas,
      herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Zunächst freut es mich, dass Sie etwas gefunden haben, von dem Sie glauben, es ist Digitalisierung. Richtiger ist, es ist ein Teil der Digitalisierung.

      Was hätten wir für eine Welt, wenn wir unseren Kindern sagen müssten, es gäbe nur Aldi, in dem wir unsere Lebensmittel kaufen könnten. Oder es gäbe nur einen Automobilhersteller für Autos und Lastkraftwagen, und dass wäre Mercedes-Banz. Oder Kleidung, die gibt es nur von H&M.

      Dann wäre unsere Welt doch sehr trostlos, nicht wahr?

      Microsoftprodukte sind tolle Produkte, ich nutze selbst Word und Powerpoint. Nur Outlook z. B. ist nicht selten fehlerhaft und nur bedingt einsetzbar, wenn man sehr viele E-Mails zu verwalten hat. Da nutze ich bspw. Thunderbird von Mozilla (Firefox), ein Open Source Produkt, mit dem ich derzeit zwischen 120.000 und 130.000 E-Mails der letzten 10 Jahre verwalte. Schwierigkeiten, wie z. B. Datenverlust hatte ich bisher keine, Outlook enttäuschte mich immer wieder. Sicherlich hätte ich mich teuer mit einer Microsoft Exchange-Lösung „freikaufen“ können, was ich aber nicht wollte.

      Haben Sie schon mal bei einem Microsoft den Support in Anspruch genommen? In der Regel warten Sie 7-14 Tage auf ein Feedback in den MS-Foren. Solange alles läuft, ist man sich der Probleme nicht bewusst, doch kommt es zu ernsthaften Schwierigkeiten, kann es teuer werden. Natürlich können auch Open Source Anwendungen Probleme bereiten, hier sind aber oftmals viele hundert Entwickler in der Pipeline, die sehr ambitioniert arbeiten, um Probleme zu lösen. Der Kommerz steht außen vor. Microsoft will, wie viele andere Unternehmen auch, Geld verdienen. Und natürlich will man in der Digitalisierung mitmischen. Dass, was Sie als Lehrer „günstig“ angeboten bekommen, wird später von den SuS und Eltern bezahlt werden müssen, und dass sind dann die Lizenzen.

      Haben Sie sich einmal gefragt, warum Autokonzerne die Fahrschulen oder die Politik mit bestimmten Modellen hofieren? Hier in Baden-Württemberg gibt es Autohäuser, die sich gezielt eine junge Klientel aussuchen und die Fahrschule gleich im Showroom integriert haben.

      Und mal ehrlich, setzen Sie Microsoft ein, weil Sie überzeugt sind oder Sie das Angebot bekommen haben, das für Sie am günstigsten ist und Ihnen die geringere Arbeit macht?

      Kennen Sie noch die VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ), die es in Deutschland gab? Das waren großartige soziale Netzwerke, die Ende 2012 ihr Ende fanden. Man glaubte, wenn man diese in Deutschland bekämpft, dann würde sich Facebook automatisch erledigen. Heute sehen Sie, dass das Gegenteil passierte. Oder „Wer kennt wen“, auch seinerzeit sehr erfolgreich, bis man es versuchte nach deutscher Art zu kommerzialisieren. Und was gibt es heute noch auf dem deutschen Markt tatsächlich an ernstzunehmenden Produkten in der Digitalisierung, die aus Deutschland kommen? Bei sozialen Netzwerken fällt mir nur Xing ein – und danach kommt lange nichts. Und Xing als berufliches Netzwerk hat m. E. über die Grenzen Deutschlands kaum Bedeutung. Linkedin, wieder ein MS-Produkt, ist auf internationaler Ebene wesentlich erfolgreicher.

      Kommen wir aber auf Ihre Argumente zurück. Demnach, so lese ich es heraus, schwören Sie Ihre SuS auf ein Eco-System ein, nämlich das von MS. Schon mal daran gedacht, dass zu einem späteren Zeitpunkt Ihr Anteil erheblich steigen könnte? Und zwar dann, wenn sich MS an Ihrer Schule etabliert hat und Mitbewerber erfolgreich verdrängt wurden? Open Source bedeutet für eine Schule wirtschaftliche Unabhängigkeit, Bildungsfreiheit und Abbild einer Vielfalt an Möglichkeiten, um dem Ziel nahe zu kommen, das Sie als Staatsbediensteter sicherlich im Curriculum Ihrer Schule verankert haben. Und natürlich betrifft meine Kritik auch Eco-Systeme wie das von Apple oder Google. Und wenn Sie als Lehrkraft bei Microsoft selbst 7 € im Monat zahlen müssen, so zahlen Sie oder die Schüler bei Open Source nichts. Die Betriebskosten werden durch den Schulträger getragen.
      Und was die Netzwerkfähigkeit von MS Teams angeht, so ist das in meinen Augen kein echtes soziales Netzwerk. Sie können ein paar Dokumente mit ihren Teilnehmern austauschen und haben diverse Chatfunktionen integriert. Daran ist nichts Besonderes, für mich eher eine Art Forum. Hätten Sie mir etwas vorgestellt, dass die Vielfalt von Facebook aufzeigen würde, ohne die damit verbundene Datenkrake, dann wäre dies interessant zu lesen. Und was den Datenschutz angeht, so ist dieser m. E. nicht gewährleistet. Welches Konstrukt die Stadt Nürnberg auf dem Papier wählte, und ob die Praxis tatsächlich mehr als zufriedenstellend ist, kann ich nicht beurteilen. Ich hätte mich gefreut, wenn Sie mir ein Projekt ambitionierter Webdesigner vorgestellt hätten, die auf Open Source-Basis eine Kommunikationsplattform geschaffen hätten, um alle am Schulleben beteiligten datenschutzkonform zu vernetzen und etwas, dass das analoge Schulleben tatsächlich auf eine digitale Ebene heben würde.

      Lassen Sie mich abschließend Ihnen zwei Dinge mit auf den Weg geben. Erstens: „Die Kunst der Digitalisierung ist die Gestaltung der Usability, also der Benutzerfreundlichkeit.“ Und zweitens, Albert Einstein sagte: „Imagination is more important than knowledge“.

      Vielleicht habe ich Sie zum Nachdenken anregen können, es würde mich freuen. Weiterhin viel Erfolg!

      1. Andreas

        Lieber Herr Wollenhöfer,
        vielen Dank für Ihre Antwort. Gerne würde ich mich länger mit Ihnen über dieses hoch aktuelle, spannende und so wichtige Thema austauschen. Jeder hat so seine Erfahrungen und dem einen oder anderen Programm gemacht. Ich will auch keineswegs gegen Open-Source sprechen. Aber wenn wir mal ehrlich sind, wird ein großteil der Schüler im späteren Leben mehr oder weniger mit den MS Produkten zu tun haben. Also warum nicht darauf vorbereiten?
        Auch ist mir bisher keine Open-Source-Lösung bekannt, die auch nur annähernd den Funkionsumfang und diese Integration der verschiedenen Produkte aus einer Hand bietet, wie es nun mal bei MS ist.
        Ich bräuchte also eine Lösung für Office (Word, Excel usw.), eine Lösung für Outlook (Mail, Kontaktverwaltung, Aufgabenplanung, Besprechungsplanung, usw.), eine Lösung für Chat und Videokonferenz, eine Lösung für den gemeinsamen Datenaustausch, eine Lösung für die Geräteverwaltung usw.. Und am besten soll noch alles zusammenarbeiten. Kennen Sie so ein Open-Source-Produkt?
        Es ist auch schade, dass Sie all die integrierten Funktionen von MS Teams nicht kennen. Es ist weit mehr als nur eine Art Forum. All das, was z.B. die HPI Schulcloud mühevoll versucht hat aufzubauen, kann Teams bereits und noch weit mehr. Egal ob auf IOS, Android oder im Web.
        Schulen haben nicht das KnowHow und es ist auch nicht ihr Aufgabe sich aus der Vielzahl der verschiedenen Möglichkeiten das passende Produkt für das jeweilige Problem rauszusuchen, geschweige denn zu installieren, integrieren und administrieren. Also warum nicht eine funktionierende (auch OpenSouce ist nicht fehlerfrei) und kostengünstige Lösung aus einer Hand? Wie Sie ja schon selbst sagten: „Die Kunst der Digitalisierung ist die Gestaltung der Usability, also der Benutzerfreundlichkeit.“
        Noch ein kleiner Hinweis: Sie sagen, OpenSource wäre kostenlos und dennoch soll eine kleine Schule 500€/Monat zahlen?

        Liebe Grüße,
        Andreas

        1. Thorsten Wollenhöfer Post Author

          Lieber Herr Andreas,

          danke für Ihre Rückmeldung. Ich bin zwar kein MS-Teams-Profi, doch dass, was ich gesehen habe, beschreibt sehr gut meine obige Darstellung. Die Schule unseres jüngsten Sohnes hatte MS-Teams in der Hochzeit der Pandemie ad-hoc eingeführt und scheiterte, u. a. am Datenschutz. Ich sehe Microsoft nicht als Innovationstreiber.
          Hätten Sie mir Webex Teams bzw. Webex Meetings vorgestellt, dann hätten Sie ein Tool, was den sozialen Netzwerken sehr nahekommt. Und das sage ich nicht, weil ich zum deutschen Übersetzer-Team gehöre.

          Wenn ich Ihrem Gedankengang folge, nämlich „[…] wird ein Großteil der Schüler im späteren Leben mehr oder weniger mit den MS Produkten zu tun haben. Also warum nicht darauf vorbereiten? […]“, dann verkennen Sie, dass es neben den klassischen Microsoft Office-Produkten auch Pages, Numbers, Keynote gibt (Apple Pendant zu Word, Excel, Powerpoint), oder auch Google Docs, Google Tabellen, Google Präsentationen, oder auch LibreOffice (hat alles, was MS Office auch hat) oder OpenOffice. Das sind alles etablierte Programme!
          Also, wenn Sie die SuS tatsächlich auf das Berufsleben vorbereiten wollen, dann müssen Sie etwas mehr als nur MS Office kennen. Unternehmen fordern heute von Bewerbern „Office-Kenntnisse“. Früher waren es tatsächlich die von Microsoft, als es nichts anderes gab. Doch in den vergangenen 15 Jahren ist sehr viel passiert.

          Und was Ihr Video-Chat-Argument angeht, so bewegen Sie sich bei Minderjährigen in Datenschutzfragen auf ganz dünnem Eis. Es ist schon verwunderlich, dass Lehrkräfte den Eltern Hospitationen im analogen Unterricht verweigern, bei Video-Fernunterricht genau gegenteilig arbeiten. Die wenigsten Kinder nutzen Kopfhörer und haben ihr Gerät laut gestellt. Sie als Lehrkraft wissen gar nicht, a) wer alles Ihrem Unterricht folgt, b) den Unterricht möglicherweise mitschneidet, c) welche Daten davon tatsächlich von den Anbietern verarbeitet und ausgewertet werden und d) eine Garantie des Hackens nicht ausgeschlossen werden kann. Je größer ein Unternehmen ist, umso interessanter für Hacker. Dazu verstoßen Sie m. E. gegen das Recht auf Privatsphäre eines jeden einzelnen und gewähren sich und Fremden den Einblick in deren soziales Umfeld. Als Staatsbediensteter, als der Sie in Ihrer Beamtenfunktion tätig sind, sehe ich die Verletzung des Artikels 13 Grundgesetz, der die Unverletzlichkeit der Wohnung garantiert. Da Sie aber gar nicht garantieren können, was möglicherweise die Tragweite Ihres Handelns auslöst, würde ich damit sehr vorsichtig sein. Ich habe meiner Frau, die selbst Schulleiterin ist, in meiner Funktion als Datenschutzbeauftragter dazu ganz klar eine Absage erteilt.

          Nicht alles, was mit Software möglich ist, ist auch sinnvoll. Glücklicherweise gibt es das Grundwerk DSGVO, das noch nachgearbeitet werden muss. In einer digitalen Welt wird dieses künftig das GG darstellen. Und wenn Schulen schon nicht das Knowhow haben, wie Sie es ja selbst schreiben, dann sollten sie sich Fachberater engagieren und sich nicht von 7 €/Monat verleiten lassen, ohne die Risikofolgeabschätzung durchgeführt zu haben.
          Des Weiteren habe ich Lehrkräfte bisher nicht als den Personenkreis kennengelernt, die von sich aus freiwillig eine finanzielle Leistung tragen, die vom Schulträger erfüllt wird. Schulträger bekommen vom Land u. a. Geld für Hard- und Softwareleistungen, die auf die SuS-Zahlen runtergebrochen werden. In Baden-Württemberg gibt es für Gemeinden sogar einen „Corona-Topf“.
          Da scheint Microsoft ein Schachzug gelungen zu sein, wenn LuL jetzt dafür bezahlen. Die Bürgermeister könnten so viel Geld sparen.

          Digitalisierung ist vielfältig und sollte vielfältig bleiben. Ob MS-Teams dabei eine Ideallösung ist, bezweifle ich. Es kann eine kurzfristige Übergangslösung einer Schule darstellen, mehr aber auch nicht. Nur was den Online-Unterricht via Video-Chat angeht, so rate ich jeder Lehrkraft davon ab. Weder ersetzen Videokonferenzen den Präsenzunterricht noch ist der Lernerfolg nachweisbar. Allein der mangelhafte Datendurchsatz lässt Vielerorts keinen Videochat von 10 und mehr Personen zu. Und nirgends werden Datenschutzrechte so massiv verletzt, wie von Schulen, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass Ihr zuständiges Schulamt Ihnen dafür einen Freifahrtschein ausstellte. Gewöhnlich werden die Risiken auf die LuL bzw. Schulleitung abgewälzt. Sollte es doch so sein, wie Sie schreiben, dann würde mich das Konstrukt interessieren, das hier gestrickt wurde.

          Und gerade kleine Schulen sollten überlegen, ob sie nicht die lokale Wirtschaft stärken wollen und sich vor Ort ein Team suchen, um gemeinsam Digitalisierung zu betreiben. Aus der Ferne ist es schwer zu beurteilen, was für eine Schule richtig sein könnte und was nicht. Sich jetzt an einem Wert von 500 € festzuhalten, halte ich für falsch. In der Regel rechnet man 2 € pro Schulkind/Monat. Dazu sollte eine Schule prüfen, wie groß der Anteil aus dem Digitalpakt für sie ist. Auch ist prüfenswert, wie lokale Firmen miteinbezogen werden könnten.

          Digitalisierung ist Arbeit und kann nicht aus der Hand geschüttelt werden. Und vergessen Sie nicht die vielen LuL, die für die Digitalisierung zu schulen sind. Sind diese Kosten auch in den 7 € enthalten?

          Viele Grüße aus dem Süden Deutschlands
          Thorsten Wollenhöfer

          1. Andreas

            Sehr geehrter Herr Wollenhöfer,
            ich glaube wir könnten noch lange so weiter kommunizieren. Aber das ist hier, glaube ich, nicht die richtige Plattform. Es wird nie nur die eine Lösung geben – und das ist auch gut so. Denn der ständigen Wettbewerb belebt die Innovation.
            Letztendlich wird sich aber eine Schule für einen Weg entscheiden müssen mit dem sie starten will. Das heißt ja nicht, dass dieser Weg für immer und ewig festgelegt ist.
            Ein paar Punkte möchte ich aber noch anfügen:
            a) Die ca. 7€ pro Lehrer und Monat (für eine A3 Lizenz) sind die Berechnungsgrundlage für die Lizensierung der gesamten Schule im FWU Vertrag. Ich habe nicht gesagt, dass die Lehrer dies aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Das kann genauso über den Schulträger laufen, wie jede andere Lizensierung auch.
            b) Ob nun Videokonferenzen mit Schülern erlaubt sind oder nicht, ist nicht Gegenstand der Argumentation. Es ist daher unerheblich, welche Software hierbei eingesetzt wird.
            c) Eine Garantie, dass eine SW nicht gehackt werden kann, wird es nie geben. Sehr wohl stellt sich aber die Frage, ob ich eine SW mit ca. 90% Marktanteil einsetze die ständigen Bedrohungen standhalten muss und daher schon relativ gut gehärtet ist (und dennoch nicht 100% erreichen kann) oder eine SW, die durch den Gewinn an Polularität zunehmend interessanter für Hacker wird. In wie weit hier dieser Härtungsprozess fortgeschritten ist, wird die Zukunft zeigen.
            Abschließen möchte ich wie folgt: Bei der Betrachtung der einzusetzenden Software für die Digitalisierung sollten alle Gegebenheiten und Anforderungen bedacht werden und mit allen im Markt verfügbaren und etablierten Lösungen abgeglichen werden. Dazu gehören sowohl OpenSource-Produkte als auch die Produkte der großen Marktführer.

            LG Andreas

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